medicus Therapiezentrum für Ganzheitsmedizin

Ganzheitsmedizin
Unsere Philosophie

Dr. Christian Wutzl

dr-christian-wutz-ganzheitsmedizin » Die Horizonte, die wir zu einem bestimmten Zeitpunkt wahrnehmen, sind durch unseren Standort und unsere Blickrichtung bestimmt - die Anzahl der möglichen Horizonte ist unendlich.
Es offenbart sich uns jedoch nur der Horizont, auf den wir zugehen - und nur solange wir uns auf ihn zubewegen. «
(A.T.Still)

 

Gedanken über Erfolge und Misserfolge
in der täglichen Praxis

Erfolg oder Misserfolg in der alltäglichen Therapie entspringt nicht zuletzt dem morpho-energetische Feld, welches Therapeut und Patient gemeinsam erarbeiten. Erarbeiten in einem sehr buddhistischen Sinn, weil Erarbeiten von Seiten des Therapeuten auch "leer" werden bedeutet. Dieses Leerwerden erschließt nur durch unsere bedingungslose Arbeit im Alltag (was allerdings auch die "Nicht-Arbeit" mit einschließt), man kann darüber wenig sprechen. Es ist eher ein Durchgehen durch all die inneren Aspekte, mit welchen uns diese bedingungslose Arbeit konfrontiert: Erfolg, Misserfolg, Hingabe, Abgrenzung, therapeutischer Hochmut, Mut & Kraft, unendliche Freude, Mitgefühl, Zorn, Wut, Vergeblichkeit, Schuld, Gleichmut und Zentrierung, Manipulieren, Kontrollieren, Angst, Verunsicherung, "in der Luft hängen", finanzieller Druck, finanzielle Freiheit, Selbstachtung, Göttlichkeit, Dr. Faust, Friede, Geborgenheit, Selbstmitleid etc. Das ganze Spektrum, welches unser Herz öffnet, verschließt, prägt, durchbohrt, ernährt und erleuchtet - und dahinter etwas anderes bewirkt, über das es nur wenig zu sprechen gibt. Für die vielen Fallgeschichten, für meinen täglichen Umgang mit Patienten möchte ich als Motto eine chinesische Geschichte bringen, die genauso alt wie weise ist:

» Ein alter Mann lebte in einem Dorf, sehr arm, aber selbst Könige waren neidisch auf ihn, denn er besaß ein wunderschönes weißes Pferd. Könige boten phantastische Summen für das Pferd, der Mann aber sagte: "Dieses Pferd ist für mich kein Pferd, sondern ein Mensch. Und wie könnte man einen Menschen, einen Freund verkaufen?" Eines Morgens fand er sein Pferd nicht im Stall. Das ganze Dorf versammelte sich, und die Leute sagten: "Du dummer alter Mann! Wir haben immer gewusst, dass das Pferd eines Tages gestohlen würde, wenn Du es nicht verkaufst. Welch ein Unglück ist Dir jetzt nur widerfahren!" Der alte Mann aber sprach: "Geht nicht soweit, von einem Unglück zu sprechen. Sagt einfach: das Pferd ist nicht im Stall. Wer weiß, was darauf folgen wird - ob es ein Unglück oder Segen ist, vermag ich nicht zu sagen." Die Leute lachten den Alten aus. Sie hatten immer schon gewusst, dass er ein Narr war. Nach zwei Wochen aber kehrte das Pferd plötzlich zurück. Es war nicht gestohlen worden, sondern hatte sich ein Stück Freiheit genommen und brachte noch ein Dutzend anderer wilder Pferde mit sich. Wieder versammelten sich die Leute und sagten: "Alter Mann, du hattest recht! Es war kein Unglück, sondern ein Segen." Der Alte aber entgegnete: "Wieder geht ihr zu weit! Sagt einfach: Das Pferd ist zurück... wer weiß, ob das ein Segen ist? Es ist nur ein kleiner Ausschnitt des Ganzen, und ihr seid wie jemand, der aus einem Buch nur ein einziges Wort gelesen hat - wie könnt ihr ein Urteil über das Buch abgeben?" Verärgert wandten sich die Leute ab. Sie alle glaubten, der Alte würde die Unwahrheit sprechen - zwölf Pferde waren mitgekommen... Der alte Mann hatte einen Sohn - seinen einzigen - der anfing, die Wildpferde zuzureiten.

Eines baldigen Tages fiel dieser Sohn vom Pferd und brach sich beide Beine in einer Weise, dass er für immer ein Krüppel zu bleiben drohte. Sogleich versammelten sich die Leute und sagten zu dem Alten: "Wieder hattest Du recht! Dein einziger Sohn kann jetzt seine Beine nicht mehr gebrauchen, er war Deine einzige Stütze. Jetzt bist Du ärmer als zuvor - welch ein Unglück ist über Dich gekommen!" Der Alte aber antwortete: "Ihr seid von Urteilen besessen. Geht nicht so weit. Sagt nur, dass mein Sohn sich die Beine gebrochen hat. Niemand weiß, ob dies ein Unglück oder ein Segen ist. Das Leben kommt in Bruchstücken auf uns zu und mehr bekommt ihr nie zu sehen!" Es dauerte nicht lange, da kamen Soldaten in das Dorf und schleppten alle jungen Männer fort, um in einen großen Krieg zu ziehen. Nur der Sohn des Alten blieb zurück, weil er ein Krüppel war. Der ganze Ort war von Klagen und Wehgeschrei erfüllt, weil dieser Krieg nicht zu gewinnen war und man wusste, dass die meisten der jungen Männer nicht zurückkehren würden. Wieder kamen die Bewohner zum Alten und sprachen: "Du hattest recht, alter Mann - es hat sich als Segen erwiesen: Dein Sohn ist zwar ein Krüppel, er ist aber noch bei Dir. Unsere Söhne sind für immer fort!" - "Ihr hört nicht auf zu urteilen!" sprach der Alte, "Sagt nur dies: dass man Eure Söhne in die Armee eingezogen hat und meinen Sohn nicht. Wer weiß, ob es ein Segen oder Unglück ist?" Und sie begannen, den alten Mann als Weisen zu verehren - wer weiß, ob dies ein Segen oder ein Unglück war?

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